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Der Fremde   By:

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Der Fremde.

Ein Gleichniss

von

Hans von Kahlenberg.

Dresden und Leipzig. Verlag von Carl Reissner. 1901.

DAS ERSTE KAPITEL.

Es war Weihnachtsabend.

Das Wetter war schlecht gewesen seit Wochen schon, keine Kälte, aber beständig sickerte von oben eine feine, durchdringende Feuchtigkeit. Der Himmel schien sehr nah an die Erde gerückt, die Grenzlinien beider vermischten sich in diesem Grau, das Alles einhüllte, auflöste, aus der Erde kroch, sich herabsenkte in wattiger, flockender Schicht. Wie durch einen Schleier gewahrte man die nächsten Gegenstände, kahle Baumstümpfe verkümmerter Weiden, Rasenflecke des Feldrains, und Telegraphenstangen. Sie folgten sich in regelmässigen Abständen wie Schildwachen einer ungezählten einzingelnden Armee, die man nicht sah, die da im Nebel lauerte, wo er sich zu verdicken schien, braun wurde, mit schwarzen Ausströmungen, die sehr lange Linien durch die Luft zogen und hängen blieben. Sie brachten einen faden Gasgeschmack in die scharfe Kälte, den Moorgeruch der aufgeweichten Felder. Seit Wochen durchschwemmte sie der Regen, unbarmherziges, Alles durchdringendes Gewässer, in dem die letzten Lebensreste des Sommers sich auflösten, verfaulten.... Irgendwo da sehr weit ab noch vor ihnen lag die Stadt. Manchmal hörte man Eisenbahnzüge kreischen; sie glitten rasch auf rohaufgeworfenen Dämmen mit Alarmrufen der Schiffe auf hoher See in der Nacht. Die Stille und der Nebel herrschten wieder, eine unheimliche, lastende Stille, hinter der das überreizte Ohr Lärm zu vernehmen glaubte des Meers, oder einer Schlacht. Ein heissrer Athem streifte von da zuweilen: Menagerie, Küchengeruch, Schweiss, diese undefinierbare Atmosphäre, die die Nähe einer grossen Stadt anzeigt, einer jener gewaltigen, überquälten Lungen des zusammengepressten Menschheitsorganismus, wo die natürliche Luft nicht genügt, verbraucht lasten bleibt, in einem Nebel, der nicht weggeht, sich erhitzt am Abend von Millionen Lichtern, neu aufsteigt jeden Morgen aus athmenden Brüsten.

Lachen hatten sich auf der Chaussee gebildet. Ihre ganze Oberschicht bestand aus einem weichen, feinen Schmutz, der sich teigig an die Stiefel ansetzte, sofort krustete; und vor allem war er kalt, von einer Kälte des Eiswassers, unterer Schichten unter dem Wasser, die nie die Sonne sahen. Er trug sich schwer; auf der Höhe des Strassendammes zog er sich endlos hin, kleine Teiche bildend, Runzeln und Ränder, die Spuren unzähliger Menschenfüsse, Pferdehufe, die da gegangen waren.

Manchmal schleppte sich ein Lastwagen müde vorüber. Die Räder knatterten auf dem harten Kiesgrund unter der Kothschicht. Langsam, von oben bis unten mit Schmutzkrusten bedeckt, schritten die Pferde. Unter seiner gelben Plancapotte liess der Fuhrmann misstönige Laute des Unbehagens vernehmen. An solchen Tagen trinkt man. Er hatte Eile anzukommen, sich von Neuem zu füllen mit Warmem, das von innen hitzt, die Traurigkeit wegnahm, die sich in grauer Schicht aus diesem sonnenlosen Abendhimmel herabsenkte. Auch raschere Gefährte rollten vorüber, Bäcker oder Fleischerwagen aus den Vororten mit warmgekleideten, wohlgenährten Insassen. Jetzt liessen sie die Gäule ausgreifen, um nach Hause zu kommen, knallten mit der Peitsche im Vorgefühl der Heimathfreude, warmer Oefen und wohlbesetzter Abendbrottische.

Arbeiter sah man nicht mehr. Sie hatten früher Feierabend gemacht wegen des Festes, und es wurde spät. Da und dort an den Bahnkörpern entzündeten sich Lichter. Sie konnten nicht ankämpfen und blieben wie blasse Wasserflecken in dem Nebel, der sich nur zusammenballte, dunkel wurde, vom Weissgrau des sonnenlosen Tages zum Schwarz der Winternacht, die da über die Felder herbeikam, Alles verschlingend, einpackend, bis auf die Chaussee, die sich hinzog ohne Bäume, ein endloser Landstreifen durch die Oede... Continue reading book >>




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