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Die Argonauten   By: (1791-1872)

Book cover

First Page:

Die Argonauten

Franz Grillparzer

Trauerspiel in vier Aufzügen

Personen:

Aietes, König von Kolchis Medea und Absyrtus, seine Kinder Gora, Medeens Amme Peritta, eine ihrer Gespielen Jason Milo, sein Freund Medeens Jungfrauen Argonauten Kolcher

Erster Aufzug

(Kolchis. Wilde Gegend mit Felsen und Bäumen. Im Hintergrunde ein halbverfallener Turm, aus dessen obersten Stockwerke ein schwaches Licht flimmert. Weiter zurück die Aussicht aufs Meer. Finstere Nacht.)

Absyrtus (hinter der Szene). Dorther schimmert das Licht! Komm hierher Vater! Ich bahne dir den Weg! Noch diesen Stein! So!

(Auftretend und mit dem Schwert nach allen Seiten ins Gebüsch hauend.)

Aus dem Wege unnützes Pack! Vater, mein Schwert macht klare Bahn! Aietes (tritt auf, den Helm auf dem Kopfe, ganz in einen dunkeln Mantel gehüllt.)

Absyrtus. Wir sind an Ort und Stelle, Vater. Dort der Turm, wo die Schwester haust. Siehst das Licht aus ihrer Zelle? Da weilt sie und sinnt Zaubersprüche Und braut Tränke den langen Tag, Des Nachts aber geht sie gespenstisch hervor Und wandelt umher und klagt und weint.

(Aietes macht eine unwillige Bewegung.)

Absyrtus. Ja Vater und weint, so erzählt der Hirt Vom Tal da unten, und ringt die Hände Daß es, spricht er, kläglich sei anzusehn! Was mag sie wohl treiben und sinnen, Vater?

(Aietes geht gedankenvoll auf und nieder.)

Absyrtus. Du antwortest nicht? Was hast du Vater? Trüb und düster ist dein Gemüt. Du hast doch nicht Furcht vor den Fremden, Vater?

Aietes. Furcht Bube?

Absyrtus. Nu, (Sorge) denn, Vater! Aber habe nicht Furcht noch Sorge! Sind uns nicht Waffen und Kraft und Arme? Ist nicht ein Häuflein nur der Fremden? Wären ihrer doch zehnmal mehr! Laß sie nur kommen, wir wollen sie jagen Eilends heim in ihr dunkles Land Wo keine Wälder sind und keine Berge, Wo kein Mond strahlt, keine (Sonne) leuchtet Die täglich, hat sie sich müde gewandelt, Zur Ruhe geht in unserem Meer. Laß sie nur kommen, ich will sie empfangen, Du hast nicht umsonst mich wehrhaft gemacht, Nicht umsonst mir gegeben dies blitzende Schwert, Und den Speer und den Helm mit dem wogenden Busch, Waffen d u , und Mut die (Götter)! Laß die Schwester mit ihren Künsten, Schwert gegen Schwert, so binden wir an!

Aietes. Armer Wurm!

Absyrtus. Ich bin dein Sohn! Damals als du den Phryxus schlugst

Aietes. Schweig!

Absyrtus. Das ist ja eben warum sie kommen Her nach Kolchis, die fremden Männer Zu rächen, wähnen sie, seinen Tod Und zu stehlen unser Gut, das strahlende Vließ.

Aietes. Schweig Bube!

Absyrtus. Was bangst du Vater? Fest verwahrt in der Höhle Hut Liegt es das köstliche, goldene Gut.

Aietes

(den Mantel vom Gesicht reißend und ans Schwert greifend). Soll ich dich töten, schwatzender Tor?

Absyrtus. Was ist dir?

Aietes. Schweig! Dort sieh zum Busch!

Absyrtus. Warum?

Aietes. Mir deucht es raschelt dort Und regt sich. Man behorcht uns.

Absyrtus

(zum Gebüsch hingehend und an die Bäume schlagend). He da! Steht Rede! Es regt sich Niemand!

(Aietes wirft sich auf ein Felsenstück im Vorgrunde.)

Absyrtus (zurückkommend). Es ist nichts, Vater! Niemand lauscht.

Aietes

(aufspringend und ihn hart anfassend). Ich sage dir, wenn du dein Leben liebst Sprich nicht davon!

Absyrtus. Wovon?

Aietes. Ich sage dir, begrab's in deiner Brust Es ist kein Knabenspielzeug, Knab'! Doch alles still hier! Niemand empfängt mich; Recht wie es ziemt der Widerspenst'gen Sitz.

Absyrtus. Hoch oben am Turme flackert ein Licht. Dort sitzt sie wohl und sinnt und tichtet.

Aietes. Ruf ihr! Sie soll heraus!

Absyrtus. Gut Vater!

(Er geht dem Turme zu). Komm herab du Wandlerin der Nacht Du Spät Wachende bei der einsamen Lampe! Absyrtus ruft, deines Vaters Sohn!

(Pause.)

Sie kommt nicht, Vater!

Aietes. Sie soll! Ruf lauter!

Absyrtus

(ans Tor schlagend). Holla ho! Hier der König! Heraus ihr!

Medeas Stimme (im Turm). Weh!

Absyrtus. Vater!

Aietes. Was?

Absyrtus (zurückkommend). Hast du gehört? Weh rief's im Turm! War's die Schwester die rief?

Aietes... Continue reading book >>




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