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Die Kurtisane Jamaica   By: (1876-1946)

Book cover

First Page:

Hans Bethge

DIE KURTISANE JAMAICA

Novellen

1922 Gyldendalscher Verlag Berlin

Zweites bis viertes Tausend

Copyright by Gyldendalscher Verlag Berlin 1922 Alle Rechte vorbehalten

Inhalt

Die Kurtisane Jamaica 7 Schloß Carnin 29 Das Bildnis der Geliebten 71 Nebelnacht 89 Ebeth 107 Die Hochzeit des Freundes 131

Wilibald Hachfeld gewidmet

Die Kurtisane Jamaica

Sie wurde Jamaica genannt, des holden, südlichen Ovales wegen, das ihr Gesicht zeigte, und wegen der bräunlich hingehauchten Farbe ihres Teints, der an eine eben angerauchte Meerschaumpfeife gemahnte.

Jamaica hatte seelenvolle Hände, ihr Mund war wie ein Schwertstich, ihre großen Augen hatten einen perlenhaften Glanz. Sie war schlank, schmalschulterig und biegsam, ihr Wesen war stolz und konnte unnahbar sein. Gewiß, sie war eine Kurtisane, wie man hören wird, aber sie hätte auch für eine Fürstin aus irgend einem exotischen Lande gelten können.

Als ich sie das erstemal sah, war ein Frühsommertag. Sie ging langsam und aufrecht über die Straße, mit etwas gerafftem Kleid, von einem großen, schwarzen Hut überdacht. Eine vollendete Dame, dachte ich, ein märchenhaftes Geschöpf.

Ich folgte ihr straßenweit. Wie eine holde Verlockung schritt die schlanke Gestalt vor mir her, mit dem vollen braunen Haar und dem schwarzen Hut, dessen Federn sich schwankend bewegten wie die dunkeln Segel eines Schiffes auf dem Ozean. Dann stieg sie unvermutet in einen Wagen, fuhr fort,  und ich hatte das Nachsehen.

Nach einiger Zeit sah ich sie wieder,  ich folgte ihr von neuem, lebhaft erregt, da trat ein Freund an mich heran, klopfte mir auf die Schulter und fragte:

»Wohin?«

»Einer Frau nach«, entgegnete ich. »Sie geht dort vorn, wie eine Fürstin aus dem Süden.«

»Schwärmer«, sagte der Freund, dann lugte er aus. Ein Lächeln ging über sein Gesicht.

»Das ist Jamaica«, sagte er.

»Jamaica?«

»Ja,  eine Kurtisane. Sie hatte ein Verhältnis mit einem Prinzen aus dem Hause Hohenzollern. Später war es ein Künstler, jetzt ist es ein schwedischer Graf, wenn ich nicht irre.«

»Wie gut Du unterrichtet bist«, sagte ich, mit einer kleinen Bitterkeit in der Stimme. »Kennst Du sie übrigens?«

Er nickte.

»Stelle mich doch vor«, sagte ich.

Wir gingen schneller, erreichten sie bald, mein Freund begrüßte sie und stellte mich vor. Dann schlenderten wir alle drei durch den Frühsommertag, Jamaica in der Mitte. Sie plauderte reizend, etwas bestrickend Graziöses war in der Art, wie sie sich gab. Ich war hingerissen.

Plötzlich sagte mein Freund, der sehr geschickt in solchen Dingen war: »Ah, Irene!« Er tat, als sähe er eine Bekannte in einem Omnibus, verabschiedete sich schnell, lief fort und sprang auf das Vehikel. Ich war mit Jamaica allein. Plaudernd schritten wir weiter.

Ich sah sie mitunter von der Seite an; ein feines Profil, zart und kapriziös, lange, dunkle Augenwimpern und eine ziemlich sinnliche Nase. Sie hatte so etwas Unbefangenes, wie sie sprach, so etwas Natürliches in Gang und Haltung, daß man sich wohl und froh an ihrer Seite fühlte. Wir setzten uns vor ein Café und tranken etwas Kühlendes, während das bunte Leben der Großstadt an uns vorüberflutete. Von einem Blumenmädchen kaufte ich einen Strauß roter Nelken, sie steckte ihn sich vor die Brust und sog aus dem Strohhalm die braune Flüssigkeit der Eisschokolade in ihren schlanken Hals.

Nachher trennten wir uns, da sie, wie sie sagte, zur Schneiderin mußte. Wir bestimmten einen der nächsten Abende, um in den Zirkus zu gehen. Sie gab mir die dünne Hand und sagte: »Auf Wiedersehen!«, wobei sie zwischen den roten Lippen die Perlenreihe ihrer Zähne sehen ließ. Dann stieg sie in eine Droschke, die Nelken auf der Brust.

Ich schlenderte durch die Menschen hin und hatte immer noch Jamaica in meinen Augen und in meinem Hirn, ihre Gestalt, ihr Lächeln, ihr Profil, die Meerschaumfarbe ihrer Haut, ihre reizend rieselnde Stimme... Continue reading book >>




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