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Die Mitschuldigen   By: (1749-1832)

Book cover

First Page:

Johann Wolfgang Goethe

Die Mitschuldigen

Ein Lustspiel in drei Aufzügen

Personen

Der Wirt Sophie, seine Tochter Söller, ihr Mann Alcest Ein Kellner

Der Schauplatz ist im Wirtshause.

Erster Aufzug

Erster Auftritt

Die Wirtsstube.

[Söller sitzt im Domino an einem Tischchen, worauf ein Licht, eine Bouteille Wein und ein Glas steht. Sophie gegenüber sitzt und näht eine Feder und eine Schleife auf einen Hut. Der Wirt kommt herein. In der Tiefe des Theaters steht ein Tisch, darauf ein Licht, Bücher und Tintenfaß, dabei ein Lehnsessel.]

Wirt [zu Söllern]. Schon wieder auf den Ball! Im Ernst, Herr Schwiegersohn, Ich bin Sein Rasen satt und dächt, Er blieb davon. Mein Mädchen hab ich Ihm wahrhaftig nicht gegeben, Um so in' Tag hinein von meinem Geld zu leben. Ich bin ein alter Mann, ich sehnte mich nach Ruh, Ein Helfer fehlte mir, nahm ich Ihn nicht dazu? Ein schöner Helfer! Ja, mein bißchen durchzubringen!

[Söller summt ein Liedchen vor sich.]

Wirt. O sing Er, sing Er nur, ich will ihm auch eins singen! Er ist ein dummer Kerl, der doch zu gar nichts taugt, Als daß er sich besäuft und etwas Tabak raucht. Die ganze Nacht geschwärmt, den halben Tag im Bette! Kein Herzog ist im Reich, der besser leben hätte. Da sitzt das Ebenteur mit weiten Ärmeln da, Der König Hasenfuß!

Söller [trinkt]. Ihr Wohlergehn, Papa!

Wirt. Ein saubres Wohlergehn! Das Fieber möcht ich kriegen.

Sophie. Mein Vater, sein Sie gut.

Söller [trinkt]. Mein Fiekchen, dein Vergnügen!

Sophie. Das Größte wäre mir, euch nicht entzweit zu sehn.

Wirt. Wenn er nicht anders wird, so kann das nie geschehn. Ich bin wahrhaftig lang des ewgen Zankens müde, Doch wie er's täglich treibt, da halt der Henker Friede! Er ist ein schlechter Mensch, so kalt, so undankbar! Er sieht nicht, was er ist, er denkt nicht, was er war, Nicht an den povern Stand, aus dem ich ihn gerissen, An seine Schulden nicht; davon will er nichts wissen. Man sieht, es bessert doch nicht Elend, Reu noch Zeit; Einmal ein Lumpenhund, der bleibt's in Ewigkeit.

Sophie. Er ändert sich gewiß.

Wirt. Muß er's so lang verschieben?

Sophie. Das tut die Jugend meist.

Söller. Ja, Fiekchen, was wir lieben! [Er trinkt.]

Wirt [aufgebracht]. Dem einen Ohr hinein, dem andern grad heraus! Er hört mich nicht einmal. Was bin ich denn im Haus? Ich hab schon zwanzig Jahr mit Ehren mich gehalten. Meint Er, was ich erwarb, das wollt Er nun verwalten, Und wollt's so nach und nach verteilen? Nein, mein Freund, Das laß Er sich vergehn! So bös ist's nicht gemeint! Mein Ruf hat lang gewährt, und soll noch länger währen; Es kennt die ganze Welt den Wirt zum schwarzen Bären. Es ist kein dummer Bär, und konserviert sein Fell; Jetzt wird mein Haus gemalt, und dann heiß ich's Hotel. Da regnet's Kavaliers, da kommt das Geld mit Haufen. Doch da gilt's fleißig sein, und nicht sich dumm zu saufen! Des Abends spät zu Bett, und morgens auf bei Zeit, So heißt es!

Söller. Bis dahin ist es noch ziemlich weit. Bleibt es nur, wie es ist, und wird nicht etwa schlimmer. Wer wohnt denn viel bei uns? Da droben stehn die Zimmer.

Wirt. Ach wer verreist auch jetzt? Das ist nun so einmal, Und hat nicht Herr Alcest die Zimmer an dem Saal?

Söller. Nun ja, das ist wohl was, der ist ein guter Kunde; Allein, Minuten sind erst sechzig eine Stunde. Und dann weiß Herr Alcest, warum er hier ist.

Wirt [pikiert]. Wie?

Söller [greift nach dem Glas]. Ach, apropos, Papa. Es lebe Paoli.

Wirt [freundlich]. Proficiat, Herr Sohn! Der brave Mann soll leben. Solch eine Tapferkeit hat es nicht leicht gegeben; Auch in dem Unglück selbst verläßt der Mut ihn nie. Gewiß, ich nenn mein Haus Hotel de Paoli.

Söller. O ja, das gibt ein Schild recht nach der Zeitungsmode. Wenn's nicht zustande kommt, ich gräme mich zu Tode. Wie kommt es, haben Sie die Zeitung nicht gesehn Von heut?

Wirt... Continue reading book >>




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