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Kritik des Herzens   By: (1832-1908)

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First Page:

Kritik des Herzens

von

W i l h e l m  B u s c h

Dreizehnte Auflage

München

Verlag von Fr. Bassermann

1914

Druck von Knorr & Hirth

Alle Rechte vorbehalten

Es wohnen die hohen Gedanken In einem hohen Haus. Ich klopfte, doch immer hieß es: Die Herrschaft fuhr eben aus!

Nun klopf ich ganz bescheiden Bei kleineren Leuten an. Ein Stückel Brod, ein Groschen Ernähren auch ihren Mann.

Sei ein braver Biedermann, Fange tüchtig an zu loben! Und du wirst von uns sodann Gerne mit empor gehoben.

Wie, du ziehst ein schiefes Maul? Willst nicht, daß dich andre adeln? Na, denn sei mir nur nicht faul Und verlege dich auf's Tadeln.

Gelt, das ist ein Hochgenuß, Schwebst du so mit Wohlgefallen Als ein selger Kritikus Hocherhaben über Allen.

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt, So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquiliren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

Ich kam in diese Welt herein, Mich baß zu amüsiren, Ich wollte gern was Rechtes sein Und mußte mich immer geniren. Oft war ich hoffnungsvoll und froh Und später kam es doch nicht so.

Nun lauf ich manchen Donnerstag Hienieden schon herummer, Wie ich mich drehn und wenden mag, 's ist immer der alte Kummer. Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust Das rothe Ding in meiner Brust.

Der Hausknecht in dem »Weidenbusch« Zu Frankfurt an dem Main, Der war Poet, doch immer kurz, Denn wenig fiel ihm ein.

Ja, sprach er, Freund, wir leben jetzt In der Depeschenzeit, Und Schiller, käm er heut zurück, Wär auch nicht mehr so breit.

Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich; So hab ich erstens den Gewinn, Daß ich so hübsch bescheiden bin; Zum zweiten denken sich die Leut, Der Mann ist lauter Redlichkeit; Auch schnapp ich drittens diesen Bissen Vorweg den andern Kritiküssen; Und viertens hoff ich außerdem Auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, Daß ich ein ganz famoses Haus.

Es kam ein Lump mir in die Quer Und hielt den alten Felbel her. Obschon er noch gesund und stark, Warf ich ihm dennoch eine Mark Recht freundlich in den Hut hinein. Der Kerl schien Philosoph zu sein. Er sprach mit ernstem Bocksgesicht: Mein Herr, Sie sehn, ich danke nicht. Das Danken bin ich nicht gewohnt. Ich nehme an, Sie sind gescheidt Und fühlen sich genug belohnt Durch Ihre Eitelkeit.

Die Rose sprach zum Mägdelein Ich muß dir ewig dankbar sein, Daß du mich an den Busen drückst Und mich mit deiner Huld beglückst.

Das Mädchen sprach: O, Röslein mein, Bild dir nur nicht zu viel drauf ein, Daß du mir Aug und Herz entzückst. Ich liebe dich, weil du mich schmückst.

Man wünschte sich herzlich gute Nacht; Die Tante war schrecklich müde; Bald sind die Lichter ausgemacht, Und alles ist Ruh und Friede.

Im ganzen Haus sind nur noch zween, Die keine Ruhe finden, Das ist der gute Vetter Eugen Mit seiner Base Lucinden.

Sie wachten zusammen bis in der Früh, Sie herzten sich und küßten. Des Morgens beim Frühstück thaten sie, Als ob sie von Nichts was wüßten.

Mein Freund, an einem Sonntag Morgen, Thät sich ein hübsches Röss'lein borgen. Mit frischem Hemd und frischem Muthe, In blanken Stiefeln, blankem Hute, Die Haltung stramm und stramm die Hose, Am Busen eine junge Rose, So reitet er durch die Alleeen, Wie ein Adonis anzusehen.

Die Reiter machen viel Vergnügen, Wenn sie ihr stolzes Roß bestiegen.

Nun kommt da unter sanftem Knarren Ein milchbeladner Eselskarren. Das Röss'lein, welches sehr erschrocken, Fängt an zu trappeln und zu bocken, Und, hopp, das war ein Satz ein weiter! Dort rennt das Roß, hier liegt der Reiter, Entfernt von seinem hohen Sitze, Platt auf dem Bauche in der Pfütze... Continue reading book >>




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