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Phantasten   By: (-1913)

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ERICH VON MENDELSSOHN

PHANTASTEN

ROMAN

BERLIN 1912 VERLEGT BEI OESTERHELD & CO.

Copyright 1912 by Oesterheld & Co. Berlin W. 15

GESCHRIEBEN IM SOMMER 1911

ALEXANDRA JEGOROWNA zugeeignet

Vor neun Tagen hatte der Lloyddampfer »Prinzessin Irene« Sidney verlassen, und deshalb übte der Anblick des grenzenlosen Wassers keinen Reiz mehr auf die Passagiere aus. Am wenigsten an einem Tage wie heute, wo ein feiner Staubregen durch alle Kleider drang und einen frösteln machte. Für solche Tage hatte man ja in den Salons alle die Annehmlichkeiten, die ein moderner Luxusdampfer bietet.

Als Paul Seebeck auf das Deck hinaus trat, schlug er den Kragen seines langen, englischen Überziehers hoch und schaute sich um. Ein Augenblick genügte ihm, um festzustellen, daß er ganz allein war. Wohl hatte ihm der Kapitän ein für allemal die Erlaubnis gegeben, so oft es ihm gefiele zu ihm auf die Kommandobrücke zu kommen denn Seebeck störte nie, am wenigsten durch unnötige Fragen, seine Anwesenheit verkürzte dagegen die lange Wacht doch Paul Seebeck scheute sich, die anderen Passagiere auf seine bevorzugte Stellung aufmerksam zu machen, um dem Kapitän keine Unannehmlichkeiten zu bereiten.

Jetzt stand der große, starke, doch etwas fette Mann neben dem kleinen Kapitän auf der Kommandobrücke.

»Schade, daß das Wetter heute so trübe ist«, sagte der Kapitän, »sonst könnten wir dort im Nordosten die Santa Cruz Inseln sehen.« Er rollte die Seekarte auf und wies mit dem zusammengeklappten Zirkel auf den Punkt, wo das Schiff sich im Augenblicke befand. »Aber ich glaube, daß es bald etwas aufhellen wird.«

Paul Seebeck nahm ein Fernglas, sah erst nach Nordosten und folgte dann weiter dem Horizonte.

Der Kapitän fuhr fort:

»Morgen kommen wir sozusagen aus den englischen Gewässern heraus und in deutsche hinein.«

Paul Seebeck ließ das Glas sinken:

»Deutsche Gewässer, Herr Kapitän?«

»Nun ja, die des Bismarckarchipels.«

Paul Seebeck hob wieder das Glas und schaute unverwandt nach Norden, dann reichte er es dem Kapitän und sah auf den Himmel:

»Sie haben natürlich wieder Recht, es wird wirklich heller. Aber gerade dort vor uns liegen dicke Wolken. Sehen Sie mal hin.«

Der Kapitän sah erst durch das Glas in der angegebenen Richtung, dann mit bloßen Augen und dann wieder durch das Glas. Schließlich sagte er kopfschüttelnd:

»Merkwürdig.«

»Befürchten Sie ein Gewitter, Herr Kapitän?« fragte Paul Seebeck gleichmütig.

»Ich weiß gar nicht, was ich aus dem Ding machen soll. Nein, eine Gewitterwolke ist es nicht.«

Jetzt wandte sich der Matrose, der das Steuerrad bediente, grinzend herum und sagte breit:

»Herr Kapitän, die ist ja von einem Vulkane!«

Der Kapitän war so interessiert, daß er gar nicht daran dachte, den Matrosen zurechtzuweisen. Er rollte die Seekarte wieder auf, bestimmte die augenblickliche Lage des Schiffes ganz genau, prüfte den Kompaß und sagte dann:

»Unmöglich, dort liegt kein Land.«

Eine halbe Stunde verging, und alle schwiegen; der Kapitän und Paul Seebeck schauten aber abwechselnd durch das Fernglas auf die schwere, dunkelgraue Wolke. Endlich sagte Paul Seebeck:

»Das ist und bleibt ein Vulkan mit der berühmten, pinienartigen Rauchsäule, und wenn er nicht auf der Karte steht, ist es ein Fehler der Karte, und nicht des Vulkans.«

Der Kapitän schüttelte ungläubig den Kopf:

»Es kann nur eine sonderbar geformte Wolke sein; es ist ganz undenkbar, hier mitten auf einer so befahrenen Route eine neue Insel zu entdecken.«

»Aber wenn es eine neu entstandene wäre, Herr Kapitän?« warf Paul Seebeck ein. »Denken Sie doch an die große Flutwelle vor zwei Monaten, die die ganze nördliche und östliche Küste Australiens überschwemmt hat.«

»Donnerwetter!« rief der Kapitän... Continue reading book >>




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