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Wie es Euch gefällt   By: (1564-1616)

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First Page:

Wie es euch gefällt

William Shakespeare

Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel

Personen:

Der Herzog, (in der Verbannung) Friedrich, (Bruder des Herzogs und Usurpator seines Gebiets) Amiens (und) Jacques, (Edelleute, die den Herzog in der Verbannung begleiten) Le Beau, (ein Hofmann in Friedrichs Diensten) Charles, (Friedrichs Ringer) Oliver, Jakob (und) Orlando, (Söhne des Freiherrn Roland de Bois) Adam (und) Dennis, (Bediente Olivers) Probstein, (der Narr) (Ehrn) Olivarius Textdreher, (ein Pfarrer) Corinnus (und) Silvius, (Schäfer) Wilhelm, (ein Bauernbursche, in Käthchen verliebt) (Eine Person, die den Hymen vorstellt) Rosalinde, (Tochter des vertriebnen Herzogs) Celia, (Friedrichs Tochter) Phöbe, (eine Schäferin) Käthchen, (ein Bauernmädchen) (Edelleute der beiden Herzoge, Pagen, Jäger und andres Gefolge) Die Szene ist anfänglich bei Olivers Hause; nachher teils am Hofe des Usurpators, teils im (Ardenner Wald)

Erster Aufzug

Erste Szene

Olivers Garten

(Orlando und Adam treten auf)

Orlando. Soviel ich mich erinnre, Adam, war es folgendergestalt: Er vermachte mir im Testament nur ein armes Tausend Kronen und, wie du sagst, schärfte meinem Bruder bei seinem Segen ein, mich gut zu erziehn, und da hebt mein Kummer an. Meinen Bruder Jakob unterhält er auf der Schule, und das Gerücht sagt goldne Dinge von ihm. Was mich betrifft, mich zieht er bäurisch zu Hause auf, oder eigentlicher zu sagen, behält mich unerzogen hier zu Hause. Denn nennt Ihr das Erziehung für einen Edelmann von meiner Geburt, was vor der Stallung eines Ochsen nichts voraus hat? Seine Pferde werden besser besorgt; denn außer dem guten Futter lernen sie auch ihre Schule, und zu dem Ende werden Bereiter teuer bezahlt; aber ich, sein Bruder, gewinne nichts bei ihm als Wachstum, wofür seine Tiere auf dem Mist ihm ebenso verpflichtet sind wie ich. Außer diesem Nichts, das er mir im Überfluß zugesteht, scheint sein Betragen das Etwas, welches die Natur mir gab, von mir zu nehmen; er läßt mich mit seinen Knechten essen, versperrt mir den brüderlichen Platz und, soviel an ihm liegt, untergräbt er meinen angebornen Adel durch meine Erziehung. Das ist's, Adam, was mich betrübt, und der Geist meines Vaters, der, denke ich, auf mir ruht, fängt an, sich gegen diese Knechtschaft aufzulehnen. Ich will sie nicht länger ertragen, wiewohl ich noch kein kluges Mittel weiß, ihr zu entgehen.

Adam. Dort kommt mein Herr, Euer Bruder.

(Oliver tritt auf.)

Orlando. Geh beiseit, Adam, und du sollst hören, wie er mich anfährt.

Oliver. Nun, Junker, was macht Ihr hier?

Orlando. Nichts. Man hat mich nicht gelehrt, irgend etwas zu machen.

Oliver. Was richtet Ihr denn zugrunde?

Orlando. Ei, Herr, ich helfe Euch zugrunde richten, was Gott gemacht hat, Euren armen unwerten Bruder, mit Nichtstun.

Oliver. Beschäftigt Euch besser und seid einmal nichtsnutzig.

Orlando. Soll ich Eure Schweine hüten und Treber mit ihnen essen? Welches verlornen Sohns Erbteil habe ich durchgebracht, daß ich in solch Elend geraten mußte?

Oliver. Wißt Ihr, wo Ihr seid, Herr?

Orlando. O Herr, sehr gut! hier in Eurem Baumgarten.

Oliver. Wißt Ihr, vor wem Ihr steht?

Orlando. Ja, besser als der mich kennt, vor dem ich stehe. Ich kenne Euch als meinen ältesten Bruder, und nach den sanften Banden des Bluts solltet Ihr mich ebenso kennen. Die gute Sitte der Nationen gesteht Euch Vorrechte vor mir zu, weil Ihr der Erstgeborne seid; aber derselbe Gebrauch beraubt mich meines Blutes nicht, wären auch zwanzig Brüder zwischen uns. Ich habe soviel vom Vater in mir als Ihr, obwohl Ihr der Verehrung, die ihm gebührt, näher seid, weil Ihr früher kamt.

Oliver. Was, Knabe?

Orlando. Gemach, gemach, ältester Bruder! Dazu seid Ihr zu jung.

Oliver. Willst du Hand an mich legen, Schurke?

Orlando. Ich bin kein Schurke! ich bin der jüngste Sohn des Freiherrn Roland de Boys... Continue reading book >>




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