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Zwischen neun und neun   By: (1882-1957)

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[ Anmerkungen zur Transkription:

Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.

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Zwischen neun und neun

Ein Verzeichnis der Schriften von Leo Perutz findet sich am Schluß dieses Buches

Zwischen neun und neun

Roman von Leo Perutz

4. bis 6. Auflage

Albert Langen, München

Copyright 1918 by Albert Langen, Munich

Alle Rechte, insbesondere das Übersetzungsrecht, auch für Rußland, vorbehalten.

Leo Perutz Albert Langen

1

Die Greislerin in der Wiesengasse, Frau Johanna Püchl, trat an diesem Morgen gegen halb acht Uhr aus dem Laden auf die Straße. Es war kein schöner Tag. Die Luft war feucht und kühl, der Himmel bewölkt. Das richtige Wetter, um sich einen kleinen Schnaps zu vergönnen. Aber Frau Püchls Slivovitzflasche, die im Kasten stand, war beinahe geleert und die Greislerin beschloß, den kleinen Rest, der kaum ein »Stamperl« zu füllen vermochte, für die »Zehnerjausen« aufzusparen. Vorsichtshalber versperrte sie die Flasche in den Küchenschrank, denn ihr Ehegatte, der im Lichthof den zerbrochenen Greislerkarren reparierte, stimmte mit ihr in der Wertschätzung eines guten Schnapses völlig überein.

Vor acht Uhr kamen nur ein paar Stammkunden: Der Friseurgehilfe, dem sie allmorgendlich sein Frühstück, ein Butterbrot mit Schnittlauch und ein Büschel Radieschen, zurechtmachte. Zwei Schulkinder, die um zwölf Heller »saure Zuckerln« kauften. Die Köchin der Frau Inspektor aus dem ersten Stock des Elferhauses, die ein Häuptel Salat und zwei Kilo Erdäpfel bekam, und der Herr aus dem Arbeitsministerium, der seit Jahren täglich einen »feinen Aufschnitt« für sein zweites Frühstück im Geschäfte der Frau Püchl erstand.

Lebhaft wurde das Geschäft erst nach acht Uhr und gegen halb neun hatte Frau Püchl alle Hände voll zu tun. Kurz nach neun Uhr erschien die alte Frau Schimek, der die Ecktrafik in der Karl Denk Gasse gehörte, zu einem längeren Plausch. Das Gespräch drehte sich um das Mißgeschick, das der Frau Püchl mit einer aus Ungarn bezogenen Sendung Brimsenkäs zugestoßen war. Und in diesem Gespräch wurden sie durch das Erscheinen Stanislaus Dembas unterbrochen, eben jenes Herrn Stanislaus Demba, dessen merkwürdiges Verhalten den beiden Frauen noch wochenlang reichlichen Gesprächsstoff bot.

Demba war dreimal an der Tür vorbeigegangen, ehe er sich entschloß, einzutreten, und hatte jedesmal einen scheuen Blick in das Ladeninnere geworfen. Es sah aus, als suche er jemanden. Auch die Art, wie er eintrat, war auffallend: Er drückte die Klinke nicht mit der Hand, sondern mit dem linken Ellbogen nieder, und bemühte sich sodann, mit dem rechten Knie die Tür aufzustoßen, was ihm nach einigen Versuchen auch gelang.

Dann schob er sich in den Laden. Er war ein großer, breitschultriger Mensch mit einem kurzen, rötlichen Schnurrbart in einem sonst glattrasierten Gesicht. Er trug seinen hellbraunen Überzieher zu einer Art Wulst gewickelt, in welchem seine Hände staken, wie in einem Muff. Er schien einen langen Weg hinter sich zu haben, seine Stiefel waren schmutzig, seine Hosen bis zu den Knien hinauf mit Straßenkot bespritzt.

»Ein Butterbrot, bitte!« verlangte er.

Frau Püchl langte nach dem Messer, ließ sich aber vorerst in ihrem Gespräch mit der Trafikantin nicht stören.

»Also schon das hat mir net g'fall'n: Wie das Kistl ankommt, wiegt's vierasiebz'g Kilo, und i hab' doch von dem Brimsen fünfasiebz'g Kilo b'stellt. Na, und wie i erst den Deckel aufmach', na also, i sag' Ihna, der Brimsen hat ausg'schaut, daß ma'n hätt' glei auf a Sommerfrisch'n schicken können zur Erholung... Continue reading book >>




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